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Alternative Legal Service Provider – Nur Alternative oder bereits fester Bestandteil des Rechtsmarktes?

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Die Welt befindet sich in einem Zeitalter der Veränderung, in welchem Globalisierung, Digitalisierung, Technisierung und sich wandelnde Kundenansprüche eine zentrale Rolle spielen. Dieser ständige Veränderungsprozess macht auch vor den Rechtsabteilungen nicht halt. Mit ihm verbunden wächst der Umfang und die Komplexität der Rechtsfragen, die Rechtsabteilungen für ihre internen Mandant*innen beantworten müssen – und das oftmals bei  gleichbleibenden oder sogar sinkenden personellen Ressourcen und Budget. Hinzu kommt, dass Rechtsabteilungen häufig nicht nur rechtliche Belange bedienen, sondern sie übernehmen eine zunehmende Anzahl an neuen Aufgabenbereichen mit stark wachsenden Arbeitsaufwänden, wie beispielsweise Aufgaben aus dem Bereich der Compliance und des Datenschutzes.

Ca. 77% der Rechtsabteilungen führen die Compliance intern durch; ca. 62% Belange des Datenschutzes.

2021 Law Department Management Benchmarking Report der ACC. Tweet

Die Zeiten, in denen Rechtsabteilungen als teure “Cost Center” mit erheblichem Budget für externe Rechtsdienstleister und Personal ausgestattet wurden, sind vorbei. Das Management verlangt – wie von jeder anderen Unternehmensabteilung auch – eine kosteneffiziente und produktive Arbeitsweise. Vereinfacht gesagt: Rechtsabteilungen müssen mit weniger mehr leisten.

 

Die verschiedenen externen Einflüsse und der wachsenden Kosten- und Innovationsdruck von Seiten des Managements führt dazu, dass Rechtsabteilungen verstärkt Technologien einsetzen, z.B. um repetitive Aufgaben und Prozesse zu automatisieren oder externe Anwaltskosten zu verringern und zu kontrollieren (sog. Legal Spend Management).

Rechtsabteilungen sehen die Automatisierung von Routineaufgaben, den Einsatz von Technologien in Arbeitsprozessen, sowie die Verringerung und Kontrolle externer Rechtskosten als größte Herausforderungen in Zukunft.

Future Ready Lawyer-Studie 2021 von Wolters Kluwer Tweet

Darüber hinaus segmentieren Rechtsabteilungen ihren Bedarf immer häufiger, um bestimmte Dienstleistungen an kostengünstigere und effizientere Anbieter auszulagern. Eine Möglichkeit stellt der Einsatz von Alternative Legal Service Provider (“ALSP”) dar. ALSP spielen eine immer wichtigere und wachsende Rolle in der Rechtslandschaft – und das nicht nur in den USA oder UK, sondern insbesondere auch in Deutschland. Sie versorgen Rechtsabteilungen mit spezialisiertem Fachwissen und ermöglichen ein kosteneffizientes Arbeiten. 

 

So verwundert es nicht, dass der Markt für ALSP in den letzten Jahren stark gewachsen ist und Ende 2019 ca. einen Wert von fast 14 Milliarden Dollar erreicht hat (Quelle: Studie Alternative Legal Service Providers 2021 des Thomson Reuters Instituts mit Fokus auf US, UK und Kanada).  

 

Doch was ist genau unter ALSP zu verstehen, in welchen Bereichen unterstützen sie Rechtsabteilungen und was sind die Gründe ihres Einsatzes? Let’s take a closer look:

Begriff der ALSP und Bereiche, in denen sie eingesetzt werden

ALSP sind juristische Dienstleistungsunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, die u.a. von Anwaltskanzleien angeboten werden, dies aber oft zu niedrigeren Kosten verknüpft mit Vorteilen, wie z. B. erhöhtes Fachwissen, Flexibilität und dem verstärkten Einsatz von Technologie.

 

Die ALSP-Branche lässt sich grob in drei Segmente unterteilen (ohne Gewähr auf Vollständigkeit):

Die Bandbreite an alternativen Dienstleistungen, die ALSP anbieten, ist lang: Sie geht von sog. Managed Legal Services (Kombination aus Prozess- und Projektmanagement mit modernen Technologien; z.B. Factor, UnitedLex) bis hin zu diversen Interimslösungen.

 

ALSP kommen dabei vor allem in folgenden Bereichen zum Einsatz (vgl. dazu auch Studie Alternative Legal Service Providers 2019 und 2021 des Thomson Reuters Instituts):

Gründe für den Einsatz von ALSP

Wie jede andere Branche ist auch die Rechtsbranche dem Preiswettbewerb ausgesetzt. Daher wurden in der Vergangenheit ALSP häufig aus Gründen der Kostenersparnis eingesetzt. Mittlerweile greifen Rechtsabteilungen nicht nur wegen des steigenden Kostendrucks auf ALSP zurück, die Gründe sind vielfältiger. ALSP werden insbesondere auch eingesetzt, um auf Fachwissen zuzugreifen, was intern fehlt, um vorhandene Personalressourcen effizienter und strategischer einzusetzen oder um Arbeitsspitzen zu decken bzw. Kapazitätsengpässe zu überbrücken, ohne den Personalbestand (Headcount) dauerhaft zu erhöhen.

 

In Anlehnung an die Studie Alternative Legal Service Providers 2021 des Thomson Reuters Institute sind die Treiber für den Einsatz von ALSP im Wesentlichen:

Insgesamt führt die Implementierung von ALSP zu einer Effizienzsteigerung, zu Kosteneinsparungen und einer gesteigerten Handlungs- und Leistungsfähigkeit. Rechtsabteilungen können sich hierdurch auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich das Unternehmen als Business-Partner rechtlich bestmöglich zu beraten.

Ausblick

Bei den ALSP handelt es sich um eine dynamisch wachsende Branche, die bereits in Ländern wie den USA oder UK stark ausgeprägt ist und ihren festen Platz im Rechtsmarkt eingenommen hat. ALSP haben dort eine Marktlücke geschlossen, die Anwaltskanzleien in der Regel nicht füllen können und wollen – sie bieten kostengünstige, technologiegestützte, intelligente juristische Lösungen. 

Beispielsweise nutzen bereits ca. 71 % der Unternehmen in den USA ALSP

Studie Alternative Legal Service Providers 2021 des Thomson Reuters Instituts Tweet

In Deutschland ist diese Branche noch ausbaufähig. Unternehmen können durch den Einsatz von ALSP ihre Effizienz steigern und insgesamt wettbewerbsfähiger werden. Kernteams können sich auf höherwertige Aufgaben konzentrieren, Kosten können gesenkt werden. Das ist in vielen Köpfen der Entscheider*innen auf Unternehmensseite in Deutschland noch nicht vollständig angekommen. Das mag an der grundsätzlich risikoscheuen Natur der Unternehmensjurist*innen liegen. In großen Teilen des deutschen Rechtsmarktes existiert noch die in alten Strukturen verankerte Vorstellung, dass für die genannten Bereiche allein externe Kanzleien beauftragt werden können und sollten. Diese Vorstellung bietet wenig Flexibilität und kaum Platz für Veränderungen. Rechtsabteilungen und deren Entscheider*innen müssen Trends erkennen, innovations- und risikofreudiger werden sowie aktuelle Prozesse und externe Rechtsdienstleister hinterfragen. Steigende rechtliche Anforderungen und technischer Fortschritt machen es notwendig, sich weg von jahrzehntealten Praktiken zu bewegen und so ineffiziente Abläufe und festgefahrene Strukturen zu Gunsten effizienteren, offeneren und leistungsfähigeren Arbeitsstrukturen zu verbessern. Dabei hilft nicht nur allein die Einführung von (Legal) Technologie. Die Nutzung von ALSP bietet ebenfalls hohes Potenzial, den steigenden rechtlichen Anforderungen zu begegnen und dem andauernden Kostendruck Stand zu halten. ALSP sollen externe Kanzleien nicht verdrängen. Es geht vielmehr um eine Koexistenz, von denen alle Stakeholder am Markt profitieren.

 

Für eine zukunftsfähige und wettbewerbsfähige Positionierung wird es für Rechtsabteilungen entscheidend sein, externe Kanzleien, Technologien und ALSP gleichermaßen zu nutzen und so einzusetzen, dass Produktivität und Effizienz maximal gesteigert werden. Rechtsabteilungen, die in Zukunft dieses Zusammenspiel beherrschen, werden dauerhaft zu aktiven Gestaltern und starken Partnern des Managements.